Nachhaltigkeit beginnt beim Design

Dr. Ansgar Niehoff zeigt auf, wie smarte Produkte und Nachhaltigkeit zusammenpassen

Über die umweltschonende Wiederverwendung eines Produktes am Ende seines Lebenszyklus entscheidet zu 70 % das Produkt-Design. Um nachhaltige Produkte zu schaffen, muss daher bei der Entstehung des Produkts angesetzt werden und bis zur Entsorgung bzw. Rückholung zu Ende gedacht werden. Als Mitglied des UN Global Compact setzt sich REHAU für die Umsetzung der „Sustainable Development Goals“ ein. Weit oben steht dabei das Thema „Kreislaufwirtschaft“ auf der Agenda. Das dies weit mehr bedeutet als der Einsatz von Recyclingmaterialien, erklärt Dr. Ansgar Niehoff, Leiter Technologieplattform „Electronics into Polymers“ (Elektronikintegration in Kunststoffe), im Interview:

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Ansgar, seit wann beschäftigst Du Dich mit dem Thema Nachhaltigkeit – sowohl privat als auch beruflich?

Schon in meinem Elternhaus hat Nachhaltigkeit eine große Rolle gespielt – sei es in Form von Mülltrennung, Verzicht auf unnötige Autofahrten, Anbau von Gemüse und Obst im eigenen Garten oder auch durch den Kauf langlebiger Produkte. Ich bin der Auffassung, dass wir alle Ressourcen in Maßen und mit Umsicht nutzen sollten. 

Nachhaltigkeit im Beruf hat mich ebenfalls vom ersten Tag an bei REHAU begleitet. Schon in meinem ersten Projekt ging es um Erneuerbare Energien. Später habe ich mich intensiv mit dem Upgrade von Rezylaten beschäftigt, dem sogenannten Upcycling – also ein Verfahren, um Rezyklatgemische durch technisches Know-how so aufzubereiten, dass sie auch für höherwertigere Produkte eingesetzt werden können. Aktuell bin ich dabei den Grundstein zu legen, zukünftige, smarte Produkte so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Bei REHAU bist Du im Bereich Forschung tätig, der sich mit dem Thema „Electronics into Polymers“ beschäftigt – sprich die Smartifizierung von Kunststoff-Produkten. Wie passen smarte Kunststoffprodukte und Nachhaltigkeit zusammen?

Auf den ersten Blick ergibt sich hier tatsächlich ein gewisser Widerspruch. Smarte Kunststoffprodukte sind deutlich komplexer, da sie aus verschiedenen Materialien bestehen. Dies erschwert das Recycling und stellt damit einen Nachteil im Sinne der Nachhaltigkeit dar. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung.

Hier beziehst Du dich sicherlich auf Circular Design – was genau steckt hinter diesem Prinzip?

Es bedeutet, Produkte so zu gestalten (Design), dass sie im Kreislauf (Circular) geführt werden können. In diesem Kontext steht Design dafür, sich intensiv mit dem eigentlichen Problem, dass man mit dem Produkt lösen möchte, zu beschäftigen. Ganz nach dem Motto „Fall in love with the problem, not with the solution”. Das fängt also bei einer unvoreingenommenen Analyse des Problems an, zum Beispiel durch ausführliche Interviews. Die Lösung ergibt sich dabei im klassischen „Design Thinking“, bei dem man wie ein Designer die Perspektive des Nutzers einnimmt, und zwar aus der Schnittmenge Mensch, Ökonomie und Technologie. 

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Beim Circular Design legt man das „System Thinking“ (siehe Grafik) zugrunde, das heißt, man bezieht auch die Faktoren Soziologie, Kultur, Politik und Ökologie mit ein. Wenn man das Problem richtig verstanden hat, dann kann man zur schrittweisen Lösung übergehen. Am Ende entsteht ein Produkt, dass den Nutzer und die Umwelt wertschätzt und das Problem perfekt löst. 

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Was sind die maßgeblichen Faktoren, auf die es bei einem geschlossenen Kreislauf nach Prinzipien des „Circular Design“ ankommt?

Man  versucht so lange wie möglich in den inneren Kreisen zu bleiben: Reparieren, Teilen, Wiedernutzung, Wiederaufbereiten sowie Recycling  (siehe Grafik). Je weiter man sich nach außen bewegt, desto höher der Energieaufwand und desto niedriger der Werterhalt.

Circular Design heißt also, Produkte mit möglichst wenig verschiedenen Materialien modular, reparierbar sowie leicht auseinandernehmbar zu gestalten.

Wo siehst Du dabei die größten Herausforderungen?

Circular designte, smarte Produkte bieten dem Endkunden durch hohe Funktionalität bei gleichzeitig hoher Nachhaltigkeit sehr viele Vorteile. Die Entwicklung ist jedoch deutlich aufwändiger als bei konventionellen Produkten – ein Mehraufwand, der sich auch in höheren Kosten widerspiegelt. Außerdem ist es eine Herausforderung technische Erfordernisse und Nachhaltigkeit immer in Einklang zu bringen. 

Wie wirst Du vorgehen um „Circular Design“ in die weiteren Prozesse Deiner Arbeit bei REHAU zu integrieren?

Wir haben gerade ein Projekt gestartet, bei dem wir mit einer auf Circular Design spezialisierten Agentur zusammenarbeiten. Im Rahmen dessen werden wir für REHAU einen Circular Design Guide entwickeln und diese Prinzipien schrittweise bei jeder künftigen Neu- oder Weiterentwicklung anwenden. 
 

Was soll mit dem Circular Design Projekt erreicht werden?

REHAU ist als Thermoplastverarbeiter schon immer nachhaltigen Prinzipien verpflichtet, denn Thermoplaste sind im Gegensatz zu Duroplasten immer wieder aufschmelzbar und daher recyclingfähig. Zudem ist Recycling seit Jahrzehnten eine strategische Säule bei REHAU.

Seit ca. drei bis vier Jahren entwickelt REHAU vermehrt auch smarte Produkte. Daher müssen wir alle in den Entwicklungs- und Produktionsprozess involvierten Mitarbeiter dafür sensibilisieren, dass wir auch bei smarten Produkten die Nachhaltigkeit nicht vernachlässigen. Circular Design ist dabei der größte Hebel, um „Smart“ und „Nachhaltig“ zusammenzubringen. 

Die REHAU Circular Design Prinzipien, die wir innerhalb des kommenden Projekts entwickeln, sollen auch transparent kommuniziert werden. Damit möchten wir diese nachhaltigen Ansätze auch Partnern, Kunden und potenziellen Geschäftspartnern aufzeigen.
 

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Wie lautet Dein persönlicher Wunsch in diesem Zusammenhang?

Smarte REHAU Produkte sollen als innovativ, verlässlich und nachhaltig wahrgenommen werden – mit dem Kauf tut der Kunde sich und gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes.

REHAU beteiligt sich an Initiative 50 SUSTAINABILITY & CLIMATE LEADERS

Die Initiative 50 Sustainability & Climate Leaders vereint Unternehmen weltweit, die die Führung übernehmen und den Willen zeigen, im Kampf gegen den Klimawandel wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

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